Im Zimmer herrschte Stille.
Eine Stille, so tief, dass selbst die sanften Pieptöne der medizinischen Geräte zu laut wirkten.
Anna lag auf dem Bett — erschöpft, blass, ihr Neugeborenes in den Armen haltend. Ihre Hände zitterten nicht nur wegen der Geburt, sondern auch wegen dieser unerklärlichen Spannung, die in der Luft lag.
Ihr Mann, Daniel, stand neben dem Bett.
Sein Gesicht war wie aus Stein gemeißelt.
Er starrte das Kind an.
Lange. Sehr lange.
Die Haut des Babys war dunkel.
Unübersehbar dunkel.
Daniel stockte der Atem.
— „Was… was soll das bedeuten?“ — fragte er schließlich mit erstickter Stimme.
Anna wandte den Blick zu ihm.
— „Daniel, bitte…“ — flüsterte sie.
Der Arzt versuchte etwas zu sagen, doch Daniel war bereits einen Schritt zurückgewichen.
— „Du hast mich betrogen“, — sagte er leise, aber eisig.
— „Das ist nicht mein Kind.“
Annas Augen füllten sich mit Tränen.
— „Ich schwöre es dir… niemals…“
Daniel schlug mit der Faust gegen die Wand.
— „Lüg mich nicht an!“ — schrie er.
— „Das ist unmöglich.“
Er drehte sich um und verließ das Zimmer.
Die Tür fiel ins Schloss.
Und in diesem Moment wusste Anna noch nicht, dass die Wahrheit…
viel tiefer und schmerzhafter war als der Vorwurf des Verrats.
Daniel stand auf dem Flur, die Hände zu Fäusten geballt.
Sein Kopf war von nur einem Gedanken erfüllt — Verrat.
Er hörte weder die Stimme des Arztes noch die der Krankenschwestern.
Er sah nur ein einziges Bild — das, welches seine Welt zerstört hatte.
Währenddessen weinte Anna drinnen lautlos.
Nicht aus Angst.
Sondern aus Ungerechtigkeit.
Einige Minuten später erschien Daniels Mutter, Marguerite, auf dem Flur.
Als sie von der Geburt erfahren hatte, war sie sofort ins Krankenhaus geeilt.
Sie sah Daniels Gesicht.
Und verstand alles.
Ihre Gesichtsfarbe veränderte sich.
— „Daniel…“, — sagte sie langsam.
— „Wir müssen reden.“
— „Worüber reden?“ — schrie er.
— „Meine Frau hat mich betrogen.“
Marguerite setzte sich auf einen Stuhl. Ihre Hände zitterten.
— „Nein“, — flüsterte sie.
— „Nicht du wurdest betrogen… du wurdest belogen.“
Daniel erstarrte.
— „Was redest du da?“
Und genau in diesem Moment kam die Wahrheit ans Licht.
Vor Jahrzehnten hatte Marguerite sich in einen Mann verliebt.
Er war schwarz.
Ihre Liebe war geheim. Unakzeptabel. Gefährlich.
Als sie schwanger wurde, zwang ihre Familie sie, einen anderen Mann zu heiraten.
Das Kind kam mit heller Haut zur Welt.
Doch seine Gene… waren verborgen.
— „Ich habe dir nie die Wahrheit gesagt“, — schluchzte Marguerite.
— „Du bist der Sohn dieses Mannes.“
Daniels Welt zerbrach ein zweites Mal.
Lange schwieg er.
Dann drehte er sich um und ging langsam zurück in das Krankenzimmer.
Anna hob den Blick.
— „Ich habe dich nie betrogen“, — sagte sie mit ruhiger, aber gebrochener Stimme.
Daniel trat näher an das Bett. Sah das Kind an.
Und zum ersten Mal sah er nicht die Hautfarbe…
sondern seine Augen.
Er setzte sich und nahm Annas Hand.
— „Verzeih mir“, — flüsterte er.
Das Baby schlief friedlich.
Und die Wahrheit, so spät sie auch kam,
hatte am Ende alle befreit.