Als Thomas seiner schwangeren Frau Camille vorschlug, eine Woche im Haus seiner Mutter auf dem Land zu verbringen, „um sich zu erholen und frische Luft zu atmen“, meinte er es ehrlich.
Sie war im siebten Monat schwanger.
Ihre Füße waren geschwollen. Ihr Rücken schmerzte Tag und Nacht. Manche Nächte konnte sie kaum schlafen.
„Meine Mutter hat einen Garten“, sagte er sanft. „Die frische Luft wird dir guttun. Sie wird sich um dich kümmern. Ich bin in einer Woche zurück, versprochen.“
Er küsste sie auf die Stirn.
Packte seinen Koffer.
Und fuhr mit seinen Freunden in den Urlaub.
Camille kam müde, aber hoffnungsvoll im alten Landhaus an.
Am Anfang war die alte Marguerite freundlich.
„Hier wirst du dich ausruhen“, sagte sie und reichte ihr Tee. „Du trägst mein Enkelkind.“
Camille lächelte erleichtert.
Doch am nächsten Morgen, noch vor Sonnenaufgang, änderte sich alles.
Marguerite weckte sie grob und drückte ihr eine Schaufel in die Hände.
„Die Kartoffeln graben sich nicht von selbst aus.“
Camille erstarrte.
„Aber… ich bin schwanger…“
Die Augen der alten Frau wurden eiskalt.
„Ich war es auch einmal. Arbeit hat noch niemanden umgebracht.“
Von diesem Tag an wurde Camille eine Gefangene im Garten.
Unter der brennenden Sonne grub sie, bis ihr schwarz vor Augen wurde.
Sie riss Unkraut mit blutenden Fingern aus.
Sie trug Körbe, die viel zu schwer für ihren geschwächten Körper waren.
Wenn sie kurz stehen blieb, schrie Marguerite von der Veranda:
„Schneller! Du bist nicht aus Glas.“
Nachts weinte Camille leise und strich über ihren Bauch.
„Bitte… halte durch…“
Die Nachbarn begannen es zu bemerken.
Eine schwangere Frau, gebeugt in der Erde, schwitzend und weinend… während die alte Frau sie ohne Mitleid beobachtete.
Man flüsterte.
Doch niemand wagte einzugreifen.
Bis zu diesem Nachmittag.
Die Hitze war unerträglich.
Camille hob die Schaufel — und schrie plötzlich auf.
Ein reißender Schmerz fuhr ihr durch den Bauch.
Die Schaufel fiel.
Blut färbte ihr Kleid.
Sie brach in der Erde zusammen, zitternd, schreiend.
Ihr Schrei hallte über die Felder.
Die Nachbarin, Frau Ivanova, rannte herbei und rief den Krankenwagen.
Im Krankenhaus sagte der Arzt leise:
„Fünf Minuten später… und wir hätten Mutter und Kind verloren.“
Am selben Abend kam Thomas früher als geplant zurück.
Er vermisste Camille.
Er wollte sie überraschen.
Er kam zum Landhaus… doch der Garten war leer.
Nur eine blutverschmierte Schaufel lag in der Erde.
Sein Herz blieb stehen.
Er rannte zu den Nachbarn.
Dann ins Krankenhaus.
Als er Camille bleich im Bett sah, mit Schläuchen in den Armen, sank er auf die Knie.
„Was haben sie dir angetan…?“ flüsterte er.
Unter Tränen erzählte Camille ihm alles.
Die Arbeit.
Den Schmerz.
Die Grausamkeit.
Thomas wurde kreidebleich.
Er stand langsam auf.
Und ging zurück zu seiner Mutter.
Ohne ein einziges Wort.
👉 TEIL 2 — Was seine „Mutter“ ihm im Garten gestand, zerstörte sein ganzes Leben: https://stayease.org/archives/507