Spät abends rief die fünfjährige Mia mit zitternder Stimme den Notruf an:
„Bitte kommen Sie … da ist jemand unter meinem Bett. Ich habe furchtbare Angst.“ Obwohl ihre Eltern das als Einbildung abtaten, nahm die Notrufzentrale jedes Wort ernst – Mia klang wirklich verängstigt.

Zehn Minuten später traf die Polizei am Haus in dem Vorort ein. Mia, die ihren Teddybären fest umklammert hielt, führte sie in ihr Zimmer. Die Beamten sahen unter dem Bett nach – nichts als Staub und Spielzeug. Ein Beamter versicherte dem Mädchen sanft, es sei nur ihre Fantasie, ein anderer bedeutete ihnen, still zu sein. In diesem Moment herrschte im ganzen Haus eine unheimliche Stille.
Ein Beamter klopfte auf die Dielen neben dem Bett. Der Klang hallte seltsam, dumpf und hohl wider. Mit Werkzeug aus der Garage hoben sie einen Teil des Dielenbodens an – darunter kam frische Erde zum Vorschein. Mit einer Schaufel aus der Garage wurde bald eine versteckte Metallklappe freigelegt.
Unter dem Haus erstreckte sich ein Tunnelsystem, das sich unter den Nachbargrundstücken hindurchzog. In den nächsten zwei Stunden entdeckten die Beamten drei ehemalige Häftlinge, die sich unter der Erde versteckt hielten und eine heimliche Flucht aus der Stadt planten.
Die Flüchtigen hatten nachts leise gegraben, um nicht entdeckt zu werden – doch Mias scharfe Ohren hatten jedes Kratzen gehört. Ihre Gefangennahme erfolgte schnell, und dank ihres Mutes schläft Mia nun wieder ruhig.